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Artikel:

Karten der Rumtreiber: Vom Erfassen, Erschließen und Kartographieren phantastischer Welten (Sonja Loidl)

Abstract:
Phantastische Räume bestehen in der Regel aus denselben Versatzstücken, die auch in der realistischen Literatur Verwendung finden. Denn bei aller Innovation und Neukombination von Motiven muss eine gewisse Referenzmöglichkeit für LeserInnen erhalten bleiben. So bestehen auch Narnia, Arkan, Alagaësia, Middlearth, die Tintenwelt, Phantásien, Earthsea und viele weitere Anderswelten aus Flüssen, Gebirgen, Tälern, Ebenen, Wüsten und anderen bekannten Elementen der Erdoberfläche. Das Wichtigste bei der Gestaltung nicht-mimetischer Räume ist Kohärenz, oder anders ausgedrückt “a logically cohesive secondary world” (Sullivan 307). Dass natürlich gewisse Freiheiten gegeben sind, wie z.B. Klimakontrolle in Science Fiction oder magische Eigenschaften bestimmter Gegenden in Fantasy und Phantastik, versteht sich von selbst. ProtagonistInnen und RezipientInnen machen sich in zeitgenössischer extra-empirischer Literatur meist gemeinsam aus ursprünglich stark eingeschränkten Aktionsradien, wie etwa dem Auenland, auf, um die jeweiligen erzählten Welten zu erkunden. Das Lesepublikum hat diese oft bereits in Form einer Karte am Vorsatzpapier oder auf den ersten Seiten des Buches zu Gesicht bekommen. Deren Funktion erschöpft sich nicht in schmückendem Beiwerk, sondern LeserInnen werden bei der Orientierung im geschaffenen Raum unterstützt. Darüber hinaus weisen Karten zurück auf den angesprochenen Authentizitäts- bzw. Kohärenzanspruch, da sie z.B. ein besseres Einschätzungsvermögen von Distanzen und Reisegeschwindigkeiten ermöglichen, die integrativer Bestandteil der Anderswelten sind.

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